
AUDI REVOLUT F1® TEAM

An diesem Wochenende tritt Audi Revolut F1® Team erstmals beim Großen Preis von Mexiko-Stadt an. Die Strecke erinnert an die berühmtesten Rennfahrerbrüder des Landes. Das ist ihre Geschichte.
Anfang der 1940er-Jahre kamen im wohlhabenden Viertel Nueva Anzures in Mexiko-Stadt zwei Brüder zur Welt, die später eine ganze Nation für den Motorsport begeistern sollten. Pedro Rodriguez, der Ältere, wurde 1940 geboren, sein jüngerer Bruder Ricardo zwei Jahre später, 1942.
Schon als Kinder fuhren die beiden Radrennen, und das mit Erfolg. Noch vor seinem zehnten Geburtstag startete Pedro bei nationalen Radrennen. Bald stieg er aufs Motorrad um, Ricardo folgte ihm kurz darauf. In ihren frühen Rennjahren feierten beide Erfolge. Das Geld dafür kam von ihrem wohlhabenden, bestens vernetzten Vater.
Die nationalen Motorradtitel waren nur ein Sprungbrett, denn das eigentliche Ziel hieß Autorennsport. Den Umstieg meisterten beide wie selbstverständlich, obwohl Ricardo bei seinem internationalen Debüt erst 15 Jahre alt war.

1958 hätten sich die Brüder bei den 24 Stunden von Le Mans beinahe einen Rennwagen geteilt. Doch Ricardo war erst 16, und die Veranstalter ließen ihn nicht starten. Pedro ging trotzdem ins Rennen. Sein Partner war allerdings nicht der eigene Bruder, sondern Jose Behra, Bruder des Formel-1®-Fahrers Jean Behra.
Später fuhren die Rodriguez-Brüder noch oft gemeinsam, darunter dreimal in Le Mans. Bei den Langstreckenrennen auf dem Nürburgring und in Sebring standen sie sogar zusammen auf dem Podium.

Obwohl Pedro der Ältere war, kam Ricardo zuerst in die Formel 1®. Schon bei seinem Grand-Prix-Debüt für Ferrari zeigte sich, wie viel Talent in ihm steckte. 1961 bestritt er als erster Mexikaner überhaupt ein Rennen in der Formel 1®, zunächst nur ein einziges. Im Jahr darauf kehrte er zurück und holte zweimal Punkte: Platz vier beim Großen Preis von Belgien, Platz sechs beim Großen Preis von Deutschland. In dieser Saison wurde er zum jüngsten Grand-Prix-Starter, zum jüngsten Fahrer in der ersten Startreihe und zum jüngsten Punktesammler. Er konnte es mühelos mit den Weltmeistern seiner Zeit aufnehmen. Dem jungen Mexikaner schien eine große Zukunft bevorzustehen.
Doch Ricardos Geschichte nahm ein tragisches Ende. 1962 fand der erste Große Preis von Mexiko statt, als Rennen ohne WM-Wertung auf der Strecke in Mexiko-Stadt, die damals noch Autodromo Magdalena Mixhuca hieß. Es sollte ein Fest des Motorsports werden, denn die Formel 1® war zum ersten Mal in Mexiko zu Gast. Stattdessen überschattete der Tod des größten Rennstars des Landes das Wochenende.
Da Ferrari nicht antrat, fuhr Ricardo einen Lotus 24 für das Rob Walker Racing Team. Im Training gab er früh die Pace vor. Dann ging er ein letztes Mal auf die Strecke, entschlossen, sich die Bestzeit zu holen. Es kam zur Tragödie. Vermutlich brach die Aufhängung, und Ricardo verunglückte in der berühmten und gefürchteten Peraltada bei hohem Tempo. Der aufstrebende Star wurde nur 20 Jahre alt. Bis heute ist er der jüngste Fahrer, der in der Geschichte der Formel 1® ums Leben kam.
Ricardo starb am 1. November, ausgerechnet an dem Tag, an dem ganz Mexiko den Día de los Muertos feiert. Die Trauer im Land war riesig, Tausende säumten bei seiner Totenwache die Straßen. Doch Mexikos Liebe zur Formel 1® endete damit nicht.

Auch Pedro hatte für den Großen Preis von Mexiko 1962 gemeldet. Nach dem tödlichen Unfall seines Bruders zog er seine Meldung zurück. Verständlicherweise dachte er daran, ganz mit dem Rennsport aufzuhören. Er machte dennoch weiter, mutig, wenn auch nicht frei von Zweifeln. Knapp ein Jahr später stand er beim Großen Preis der USA 1963 erstmals in der Formel 1® am Grid.
Zwischen 1963 und 1966 kam er auf eine Handvoll Einsätze. 1967 gehörte er dann fest zum Grid und gewann gleich beim Saisonauftakt in Südafrika sein erstes Rennen.
Pedro war ein stolzer Mexikaner. Nach außen blieb er nach seinem ersten Sieg professionell, innerlich dürfte er gekocht haben. Die Veranstalter hatten weder Noten noch eine Aufnahme der mexikanischen Nationalhymne parat, also spielte die Kapelle den beschwingten Jarabe Tapatío. Eine solch peinliche, klischeehafte Panne auf dem Podium sollte sich nicht wiederholen. Deshalb hatte Pedro von da an überall eine mexikanische Flagge und eine Schallplatte der Nationalhymne dabei.

Mexiko hatte einen neuen Star. In der folgenden Saison wechselte Pedro zu BRM und damit in ein konkurrenzfähigeres Cockpit. Drei Podiumsplätze folgten, ein weiterer Sieg ließ jedoch bis zum Großen Preis von Belgien 1970 auf sich warten. Danach sollte über 50 Jahre lang kein Mexikaner mehr ganz oben auf dem Formel-1®-Podium stehen.
Pedro war fest in der Formel 1® etabliert und hatte in dieser Saison bereits in Spa gewonnen. Entsprechend riesig war der Andrang, als die Königsklasse zum Saisonfinale nach Mexiko kam. Rund 200.000 Fans strömten an die Strecke, und die Massen ließen sich kaum kontrollieren.
Viele Fans waren in gefährliche Bereiche vorgedrungen und standen jenseits der Leitplanken. Fahrer wie der amtierende Weltmeister Jackie Stewart und Pedro selbst baten sie eindringlich, sich zurückzuziehen. Der Start verzögerte sich dadurch um fast zwei Stunden. Dass die Lage außer Kontrolle geriet, war einer der Gründe, weshalb es für 16 Jahre der letzte Große Preis von Mexiko bleiben sollte.
Doch die Geschichte der Brüder nahm noch eine bittere Wendung. Keine acht Monate nachdem die Fans in Mexiko auf einen Heimsieg gehofft hatten, verunglückte Pedro bei einem Sportwagenrennen auf dem Norisring in Deutschland tödlich. Ein technischer Defekt löste den Unfall aus, sein Ferrari ging in Flammen auf. In weniger als zehn Jahren hatte Mexiko beide Formel-1®-Stars verloren – und seinen Grand Prix.

Auf Wunsch des mexikanischen Präsidenten erhielt sie 1962 einen neuen Namen: Autódromo Ricardo Rodríguez. Zehn Jahre später, nach Pedros Tod, wurde sie erneut umbenannt: Autodromo Hermanos Rodriguez.
Wer die Geschichte kennt, weiß: Mit den Rodriguez-Brüdern begann Mexikos ernsthaftes Interesse am Motorsport. Es gab Jahre ohne Großen Preis von Mexiko und Jahre ohne mexikanische Fahrer am Grid. Das Interesse ist trotzdem stetig gewachsen. In den vergangenen Jahren kamen über das Rennwochenende jeweils rund 400.000 Fans an die Strecke, die den Namen der Brüder trägt, um die neueste Generation der Formel 1® zu erleben. Das nächste Kapitel ihres Vermächtnisses wartet darauf, geschrieben zu werden.

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