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Aerial view of the Monza circuit and surrounding park
31. August 2026

Die Geschichte der Steilkurve von Monza.

Das Audi Revolut F1® Team feiert an diesem Wochenende seinen ersten Auftritt in Monza und fährt dabei im Schatten der legendären Steilkurve der Rennstrecke.

Als Monza 1922 erbaut wurde, war es erst die dritte eigens für den Motorsport errichtete Rennstrecke der Welt. Nach dem Vorbild von Brooklands und dem Indianapolis Motor Speedway verfügte der Kurs neben der Straßenstrecke über einen Hochgeschwindigkeitsoval mit Steilkurven. Mehr als ein Jahrhundert später stehen die historischen Steilkurven von Monza noch immer, obwohl sie seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt werden und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehreren Abrissplänen entgingen. Inmitten der Ruhe des größten ummauerten Parks Europas befindet sich damit bis heute ein Stück Motorsportgeschichte, das einst laut, kühn und kompromisslos war. 

One of Monza’s legendary banked corners at the historic racetrack
One of Monza’s legendary banked corners at the historic racetrack

An diesem Wochenende fährt Audi Revolut F1® Team buchstäblich im Schatten der Steilkurven. Sie sind oberhalb der Strecke auf der Brücke zu sehen, die vor der Ascari-Schikane über den heutigen Kurs führt, bevor sie neben dem Ausgang der Parabolica wieder auf die moderne Strecke treffen. Sie erinnern an die Geschichte der F1® und an die Fortschritte in der Sicherheit seit den frühen Jahren des Sports. 

Monzas lange Motorsportgeschichte.

Von mehr als 3.000 Arbeitern in nur drei Monaten errichtet, wurde Monza am 3. September 1922 eröffnet – vor fast genau 104 Jahren. Lange bevor 1950 die Formel 1® Weltmeisterschaft ins Leben gerufen wurde, waren die ersten Kapitel der langen Renngeschichte Monzas bereits geschrieben. Der Große Preis von Italien zählt zu den ältesten nationalen Grands Prix der Welt. Er wurde 1921 erstmals in Montichiari ausgetragen und zog 1922 nach Monza um. In den frühen Jahren siegten dort Fahrer wie Tazio Nuvolari und Rudolf Caracciola, beide Legenden ihrer Zeit. Doch das Hochgeschwindigkeitslayout erwies sich in den Anfangsjahren der Strecke auch als tödlich. Mehrere Rennen wurden von Unfällen überschattet, bei denen Fahrer und Zuschauer ums Leben kamen. 

History of Yellow

Monza Lecco road sign near the Monza circuit
Portrait of legendary Italian racing driver Tazio Nuvolari wearing racing goggles

Nachdem die Veranstaltung aufgrund von Sicherheitsbedenken zeitweise ausgesetzt worden war, machten kontinuierliche Verbesserungen und Umbauten die Strecke nach den rudimentären Maßstäben der damaligen Zeit schrittweise sicherer. Nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichten umfangreiche Renovierungsarbeiten 1949 die Rückkehr des Großen Preises von Italien nach Monza.

Historic Formula 1® car racing through Monza during the early days of motorsport

Vier Rennen auf dem Oval.

Zu Beginn der Weltmeisterschaftsära wurde der Große Preis von Italien auf einem Layout ausgetragen, das dem heutigen Kurs weitgehend ähnelte. Im Zuge eines ab 1954 begonnenen Umbaus entstanden neue Steilkurven aus Beton. Dadurch wurde der Große Preis von Italien 1955 auf einer 10 km langen Streckenvariante ausgetragen, die das Oval mit dem klassischen Kurs kombinierte. Insgesamt fuhr die Formel 1® viermal auf dem Steilkurvenoval von Monza.

Close-up of a historic racing car wheel at speed

1955

Juan Manuel Fangio führte seinen Teamkollegen Piero Taruffi beim Großen Preis von Italien 1955 ins Ziel und feierte damit den letzten Sieg eines Rennwagens mit geschlossenen Rädern in der Formel 1®. Mit dem Ergebnis sicherte sich Fangio seinen dritten Titel.

Historic race car driving on one of Monza’s legendary banked corners

1956

Auch beim Großen Preis von Italien 1956 fiel die Titelentscheidung zugunsten Fangios. Zunächst musste er das Rennen mit einem gebrochenen Lenkhebel aufgeben. In einer Zeit, in der sich Fahrer noch Rennwagen teilten, erhielt Fangio jedoch eine weitere Chance auf seinen dritten Titel in Folge. Luigi Musso weigerte sich, seinen Rennwagen an den Argentinier abzugeben. Peter Collins hingegen überließ Fangio seinen Rennwagen, obwohl er selbst noch Chancen auf den Titel hatte.

Historic Formula 1® car racing along Monza’s banking

1960

Die Mehrheit der britischen Teams boykottierte den Großen Preis von Italien 1960 aus Sorge um die Belastbarkeit ihrer Rennwagen und die Gefahren der Steilkurven. Dadurch entstand ein dezimiertes Feld ohne einen einzigen vorherigen Grand-Prix-Sieger. Weniger leistungsstarke Formel-2-Rennwagen durften gemeinsam mit den F1® Rennwagen antreten, was Ferrari einen ungefährdeten Dreifachsieg ermöglichte.

Historic Formula 1® cars racing on Monza’s steeply banked circuit

1961

Der dunkelste Tag der Formula 1® ereignete sich beim Großen Preis von Italien 1961, als Wolfgang von Trips in der zweiten Runde einen tödlichen Unfall erlitt, bei dem auch 15 Zuschauer ums Leben kamen. Obwohl sich der Unfall in der Parabolica und nicht auf der Steilkurve ereignete, warf die Tragödie einen langen Schatten auf die Nutzung von Monzas Hochgeschwindigkeits-Oval. Phil Hill gewann sowohl das Rennen als auch den Titel von 1961 – doch die Stimmung war alles andere als feierlich. Die Ära der F1® auf Monzas Steilkurven-Oval war vorbei.

Überleben gegen alle Widrigkeiten.

Die Steilkurven von Monza wurden weiterhin in anderen Rennserien genutzt und waren sogar im Film Grand Prix zu sehen, fünf Jahre nachdem dort das letzte F1® Rennen stattgefunden hatte. Erst 1969, als die 1000 km von Monza zum letzten Mal auf diesem Layout ausgetragen wurden, gab man die Steilkurven endgültig auf. 

In den 1980er- und 1990er-Jahren gab es mehrere Pläne, die Steilkurven abzureißen. Ein Vorschlag sah vor, das Gelände für den Bau eines Observatoriums zurückzugewinnen. Spätere Abrisspläne entstanden aufgrund von Bedenken hinsichtlich des baulichen Zustands. 

Noch vor der Jahrtausendwende wurde die Kampagne „Save The Monza Banking“ ins Leben gerufen. Eine Petition, die unter anderem von Motorsportgrößen wie Stirling Moss und John Surtees unterzeichnet wurde, erhielt breite Unterstützung für den Erhalt dieses Stücks Motorsportgeschichte. 

Historic technical drawing of a race circuit on a desk

Und so stehen die Steilkurven noch heute. Rau. Uneben. Für moderne Rennen völlig ungeeignet. Aber ein eindrucksvolles Zeugnis einer vergangenen Ära. Investitionen im Jahr 2014 und Arbeiten zur Erneuerung der Oberfläche haben dazu beigetragen, dass die Konstruktion dem Lauf der Zeit weiterhin standhält. 

Während des Rennwochenendes sind die Steilkurven streng abgesperrt. Mit einer Neigung von bis zu 80 % ist es zu Fuß nahezu unmöglich, die Oberkante zu erreichen. Umso schwerer ist vorstellbar, wie die fortschrittlichsten Rennwagen ihrer Zeit diese Kurven mit hoher Geschwindigkeit bewältigten. 

Die Rückkehr der Steilkurven?

Wenn auch nicht in der extremen Form von Monza, sind Steilkurven in den vergangenen Jahren in die Formel 1® zurückgekehrt. Als die F1® Anfang der 2000er-Jahre in Indianapolis fuhr, nutzte das Streckenlayout beispielsweise einen Teil des wohl berühmtesten Steilkurvenovals der Welt. Zuletzt verfügte Zandvoort, wo erst vor wenigen Tagen das letzte F1® Rennen ausgetragen wurde, über mehrere überhöhte Kurven. Auch der neue MADRING in Madrid, auf dem in der kommenden Woche erstmals ein Grand Prix stattfindet, wird mit La Monumental die längste überhöhte Kurve im F1® Kalender bieten. Ihre besondere Geometrie stellt Fahrer und Rennwagen vor eine Herausforderung, die sich von allen anderen unterscheidet. 

Monzas banking

Mehr als ein Jahrhundert nach der Eröffnung von Monza geben die Steilkurven einen greifbaren Einblick in die beinahe mythische Geschichte der Rennstrecke. Was einst integraler Bestandteil einer der schnellsten Strecken der Welt war, ist heute ein Monument einer anderen Ära des Motorsports. Wenn Audi Revolut F1® Team erstmals in Monza antritt, wird diese Geschichte unmittelbar präsent sein.

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